Gastkommentar | 6. Mai 2022
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Das Filmgesetz ist eine grosse Chance für den Tourismus

Die Schweiz ist geradezu prädestiniert für spannende Filme und Serien. Unser Land hat einen enormen Reichtum an Regionen, Sprachen, Landschaften und Legenden. Filmproduktionen nehmen diese landschaftliche und kulturelle Schönheit und Vielfalt genauso auf wie unsere Geschichte und tragen sie in die Welt. Das ist beste Werbung für die Tourismusdestination Schweiz.
von Bernhard Tschannen CEO Glacier 3000
Bernhard Tschannen sieht im Filmgesetz viel Potenzial.
Bernhard Tschannen sieht im Filmgesetz viel Potenzial.Foto: ScorranoPhotography

Mit dem revidierten Filmgesetz stärken wir die Produktion von Schweizer Filmen und Serien und sorgen dafür, dass die Schweiz in Zukunft auch auf den grossen Streamingplattformen ihren Platz erhält. Und das international.

Unsere Nachbarländer zeigen: Es funktioniert

Der Mindestanteil für europäische Filme ist ein europäischer Standard, der uns erst noch den Zugang zu europäischen Programmen wie «Creative Europe» ebnet. Viele Länder in Europa kennen auch heute schon Investitionsverpflichtungen für internationale Streamingplattformen. Die Folge sind erfolgreiche Serien wie «Lupin» aus Frankreich oder «Haus des Geldes» aus Spanien. Beide gehören weltweit zu den meistgesehenen Produktionen der letzten Jahre.

Dass solche Erfolgsproduktionen einen nachhaltigen touristischen Nutzen haben, zeigt nur schon der Londoner Stadtteil Notting Hill. Früher weitgehend unbekannt, fungiert er seit dem grossen Filmerfolg mit Julia Roberts und Hugh Grant seit Jahrzehnten als Touristenmagnet. Notabene profitieren auch Gstaad und der Glacier 3000 bis heute von diversen Filmproduktionen wie beispielsweise aus Bollywood oder Indonesien.

Wenn Streaminganbieter und ausländische TV-Stationen einen Teil ihres Umsatzes in der Schweiz investieren, schafft das gleich lange Spiesse auf dem hiesigen Fernsehmarkt. Denn Schweizer Fernsehsender sind bereits heute verpflichtet, Investitionen in Schweizer Filme und Serien zu tätigen. Die Anpassung ist also nichts als logisch und fair.

Auch volkswirtschaftlich ist das Filmgesetz von grossem und breitem Nutzen. Wenn Filmprojekte in der Schweiz realisiert werden, profitiert nicht nur die Branche und der Tourismus, sondern auch das lokale Gewerbe.

Studie belegt den volkswirtschaftlichen Nutzen

Zu diesem Schluss kommt auch eine Studie von Ernst & Young aus dem Jahr 2019, welche die volkswirtschaftlichen Auswirkungen des Filmschaffens in der Romandie untersucht hat. Sie hält fest, dass jeder investierte Filmfranken gut drei weitere Franken volkswirtschaftlichen Umsatz generiert. Und dies weit über das eigentliche Filmgeschäft hinaus.

Das ist auch logisch. Dreharbeiten schaffen Aufträge und Einkünfte für die lokale Wirtschaft und ihre Zuliefer- und Dienstleistungsbetriebe. Sei es für das lokale und regionale Gastgewerbe, die Hotellerie oder Handwerksbetriebe, welche die Infrastruktur bereitstellen.

Wirtschaftsförderung ohne Steuergeld

Die Schweiz betreibt in verschiedenen Formen Wirtschafts- und Standortförderung. Oft unter dem Einsatz von Steuergeld. Mit dem Filmgesetz haben wir für einmal den Fünfer und das Weggli: Denn die Investitionen in das Filmschaffen werden ganz durch die Streaminganbieter und Fernstehstationen getätigt. Es fliesst kein Steuerfranken aus der Bundeskasse, und der Staat entscheidet auch nicht, welche Produktionen konkret profitieren. Die Vorlage ist also marktnah und unternehmerisch ausgestaltet.

Ein Ja zum Filmgesetz ist eine grosse Chance für das Filmschaffen, den Tourismus und die Swissness in unserem Land.