Interviewserie zur National- und Ständeratswahl | 12. Oktober 2023
213857

«Die zunehmende Polarisierung bringt uns nicht weiter»

Die Plattform J präsentiert bis am 18. Oktober täglich eine Kandidatin oder einen Kandidaten für die Eidgenössischen Wahlen vom 22. Oktober. Heute kommt Nationalratskandidat Lorenz Hess (bisher) von der Mitte aus Stettlen zu Wort.
Lorenz Hess will für die Partei Die Mitte in den Nationalrat.
Lorenz Hess will für die Partei Die Mitte in den Nationalrat.Foto: zvg
Warum wollen Sie in den Nationalrat?

Lorenz Hess: Die zunehmende Polarisierung von links und rechts bringt uns nicht weiter. Im Ständerat ist lösungsorientierte bürgerliche Politik mit Kompromissen gefragt.

Was tun Sie für die Stadtbevölkerung?

Als Gemeindepräsident in der Region zwischen Stadt und Land habe ich bei allen Entscheiden die Bedürfnisse von beiden Seiten im Auge. Das ist wichtig, denn die Regionen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Was erwarten Sie von der Stadtbevölkerung?

Die Stadtbevölkerung darf die Landregionen nicht nur als «Freizeitpark» betrachten, sondern sollte auch ein offenes Ohr für deren Anliegen haben.

Die Bevölkerung in der Schweiz wächst und wächst. Dichtestress, Wohnungsnot, Verkehrskollaps, Energiemangel unter anderem sind die Folgen – wie lösen Sie das Problem der laut SVP «masslosen Zuwanderung» human und unter Einhaltung des internationalen Rechts?

Wir brauchen endlich klare vertragliche Verhältnisse mit der EU und müssen konsequent sein bei der Ausschaffung von Leuten, die sich nicht an unsere Spielregeln halten.

Wir brauchen endlich klare vertragliche Verhältnisse mit der EU …

Lorenz Hess Mitte-Kandidat Stettlen


thema/eidgenoessische_wahlen
Was ärgert Sie und was freut Sie?

Mich freut, dass ich die Zeit finde, um mein regelmässiges Lauftraining zu absolvieren, und es freut mich, wenn die Familie immer wieder mal gemeinsam am Tisch sitzt. Ich ärgere mich, wenn Politik «für die Tribüne» anstatt für die Sache betrieben wird.

In den letzten Jahren wurde der «Service public» mehr und mehr (teil)privatisiert und gefühlt massiv verteuert. Wie erklären Sie den Wählenden, dass es richtig und nötig ist, mit der staatlichen Grundversorgung der Bevölkerung maximierte Gewinne zu erzielen?

Beispiele im Ausland zeigen, dass Staaten dann erfolgreich sind, wenn sie sich eine funktionierende, staatliche Grundversorgung leisten.

Was nehmen Sie mit auf die oft erwähnte «einsame Insel» und warum?

Ich glaube, ein Solarpanel wäre eine gute Idee. Schwieriger wird dann, die notwendigen Anschlussgeräte auf die Insel zu schmuggeln.

Bürokratie und Überreglementierung sind vielen Menschen im Lande ein Dorn im Auge. Welches Gesetz würden Sie sofort abschaffen und welches auf keinen Fall?

Gesetze kann man nicht einfach so abschaffen, aber Parlamentarier und Parlamentarierinnen sollten sich überlegen, welche neuen Regulierungen sie damit schaffen, dass sie jährlich eine Flut von Vorstössen einreichen.

Was gibt Ihnen mehr Sicherheit – eine starke Armee oder ein gesundes Klima?

Eine starke Armee brauchen wir hier und jetzt. Den Klimaschutz müssen wir dringend angehen für die nachfolgenden Generationen.

Wie sieht Ihre Schweiz im Jahr 2050 aus?

Wir haben als unabhängiges Land das Verhältnis zur EU geregelt, ohne beizutreten, und sind für die Energieversorgung nicht mehr vom Ausland abhängig.

Zur Person

Name (Alter): Lorenz Hess (62)

Partei: Die Mitte

Wohnort: Stettlen

Zivilstand (Kinder): verheiratet, drei Töchter

Beruf: Eidg. dipl. PR-Berater, selbstständig

Aktuelle politische Ämter: Nationalrat (seit 2011), Gemeindepräsident

Verbände/Vereine/Mandate: VRP Visana Gruppe, Brauerei Egger AG, Präsident Berner Jägerverband